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Französischer Botschafter wirbt in Osthofen

für deutsch-französische Städtepartnerschaften

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Von Marta Thor

OSTHOFEN - Ganz so förmlich, wie das angekündigte „Gespräch mit Bürgern“ des französischen Botschafters Philippe Étienne letztlich ablief, hatten es die geladenen Gäste nicht erwartet. Eine rege Diskussion im Kreuzgewölbe des Gasthofs „Zum Schwanen“ in Osthofen blieb aus. Trotzdem waren sowohl die Gäste als auch der Botschafter zufrieden mit dem Treffen. „Diese Treffen mit Menschen aus deutsch-französischen Partnerschaftsvereinen sind keine reine Höflichkeit“, betonte Étienne, der seit 2014 als ranghöchster französischer Diplomat in Deutschland lebt. „Die Qualität einer persönlichen Begegnung ist eine ganz andere“, sagte er und nahm eine ganze Ansammlung von Lob, Kritik und Anregungen zur Förderung deutsch-französischer Partnerschaft mit nach Berlin.

Der Einladung des Bundestagsabgeordneten Marcus Held (SPD) nach Rheinhessen folgte Philippe Étienne übrigens als erster französischer Diplomat überhaupt, verriet Held am Rande: „Mein Vorgänger, Klaus Hagemann, hatte sich jahrelang um Étiennes Vorgänger bemüht, doch der lehnte immer ab.“ Offenbar mischten sich solch ranghohe französische Staatsbedienstete nur selten unters Volk. Von einer Scheu den Rheinhessen gegenüber war Philippe Étienne jedoch nichts anzumerken. Gut gelaunt und geduldig hörte er sich alle Wortbeiträge, die kurzen und auch langen, an, machte sich Notizen und ging schließlich in einer umfassenderen Antwort auf die Inhalte ein: „All Ihre persönlichen Erfahrungen sind sehr nützlich für mich. Ich nehme das alles gerne mit.“

Eintrag ins Goldene Buch der Stadt Osthofen

Bis zum Kaffee und Kuchen in Osthofen mit den Vertretern der deutsch-französischen Partnerschaftsvereine aus der Region, hatte der 60-Jährige schon ein straffes Programm durch Rheinhessen hinter sich: Nach der Anreise aus Berlin besuchte er die Firma Faber Bau in Alzey und trug sich ins Goldene Buch der Stadt Osthofen ein. Der Osthofener Bürgermeister Thomas Goller (SPD) war sichtlich stolz, einen so hohen diplomatischen Vertreter in seiner Stadt begrüßen zu dürfen und lobte Étiennes herzliche und offene Art.

Der Franzose nimmt seine Aufgabe als Botschafter für die deutsch-französische Partnerschaft sichtlich ernst: „Rheinland-Pfalz ist tatsächlich Vorreiter für deutsch-französische Partnerschaft und Freundschaft“, erklärte er. Das Land habe 1962 als erstes deutsches Bundesland einen Freundschaftsvertrag mit der Region Burgund unterzeichnet, den sogenannten Elysée-Vertrag. Étienne sieht es heute noch als „wichtigste Aufgabe“ der Bevölkerung beider Länder an, diese Partnerschaften mit Leben zu füllen. „Wir teilen gemeinsame Werte und müssen gegen die leise aufkommende Tendenz des Fremdenhasses arbeiten.“ Sportliche Veranstaltungen wie die EM in Frankreich, seien dafür ein beispielhaftes Zeichen, wie aus Fremden Freunde werden. „Europa – das sind wir!“, vermittelte der Diplomat eindringlich.

Doch die vorherrschende Problematik der vielen verschiedenen Vereinsvertreter aus dem Kreis Mainz-Bingen und Alzey-Worms, die Philippe Étienne über ihre Erfahrungen berichteten, war deutlich herauszuhören: In manchen Gemeinden schwindet das Interesse, ein Austausch mit den französischen Nachbarn sei in der globalisierten Welt nicht mehr „attraktiv“ genug, der Nachwuchs fehlt. Umso schöner, wenn es dazu positive Gegenbeispiele gab, wie Frank Wagner, Vorsitzender des Internationalen Freundeskreises der Stadt Osthofen (IFSO), berichtete: Zum 50-jährigen Bestehen der Städtepartnerschaft mit Mirebeau-sur-Bèze haben voriges Jahr im Oktober französische und deutsche Jugendliche gemeinsam die Trauben für einen Partnerschaftswein gelesen. Die Aktion war ein voller Erfolg. Zum Stadtfest, der Weinmeile, waren zahlreiche französische Freunde gekommen, sogar mit einem eigenen Delikatessen-Stand.

Es gelte daher, so Étienne, neue Wege zu suchen, um eine Zukunft zu sichern: „Jede Partnerschaft ist anders. Jede hat ihre Berechtigung.“ Man müsse die Kontakte erneuern, zum Beispiel durch soziale Netzwerke, oder wirtschaftliche Anreize setzen, etwa durch Praktika. Ein gutes Beispiel dafür sei das Mentoring, erklärte Frankreichs Generalkonsulin Sophie Laszlo, die den Botschafter begleitete: „Mit Mut und Energie können junge Menschen Überzeugungsarbeit leisten.“ Ein praktisches Beispiel dafür: Gemeinsame Facebook-Seiten der Partnerstädte, bei denen Ferienjobs und Praktika angeboten werden.

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